Matroschkaprinzip statt Mäzenatentum

Weltklasse! Luisa Schulze – hier im Match gegen Metzingen - spielt seit 2006 beim HCL. Die in Altenburg geborene 24-Jährige schaffte 2009 den Sprung aus dem Nachwuchsbereich in die Bundesliga, und bereits 2011 lief sie erstmals für die deutsche Nationalmannschaft der Frauen auf.
Michelle Urbicht – auf dem Bild gegen Blomberg in Aktion – kam 1994 in Cottbus zur Welt und durchlief seit 2010 die Nachwuchsreams des HCL. Schon zwei Jahre später stieß sie ins Bundesligateam vor und ist dort in der nächsten Saison eine von acht Handballerinnen, die aus dem eigenen Nachwuchs stammen.

Sport braucht Nachwuchs. Nachwuchs braucht Förderung; und im Osten umso mehr.

Die Nachwuchshandballerinnen des Handball-Clubs Leipzig (HCL) werden seit 19 Jahren vom Förderkreis unterstützt, der unter dem neuen Vorstand Rainer Hennig eine beachtliche Entwicklung nimmt.
Das starke Geschlecht ist erblasst. Denn die alte und neue Handballhochburg Leipzig mit nunmehr wieder zwei Bundesligateams wird seit jeher von den Damen dominiert. 23 Meistertitel – der erste 1953, der vorerst letzte 2010 –, acht deutsche Pokalgewinne sowie vier Europapokal-siege stehen für den HCL – zu DDR-Zeiten SC Leipzig und von 1993 bis 1999 VfB Leipzig – zu Buche. Der sächsische Spitzenclub redet nicht nur regelmäßig bei der Vergabe der deutschen Meisterschaft ein gewichtiges Wörtchen mit. 2014 konnte in eigener Halle der deutsche Pokalsieg gefeiert werden. Und international gehört das Team der Messestadt in der abgelaufenen Saison zu den besten zehn Mannschaften der Champions League und wird in der inoffiziellen Weltrangliste auf Platz acht geführt.  
Der Unterbau zum Aushängeschild
Ein Garant des Erfolges liegt im Nachwuchs. „Der Verein ist für seine sehr gute Nachwuchsarbeit überregional bekannt und setzt auf eine kontinuierliche Ausbildung in allen Altersklassen“, schreibt Wikipedia. Rainer Hennig weiß es noch etwas präziser. Denn der von ihm geführte Förderkreis unterstützt die Nachwuchsabteilung des Clubs seit nunmehr 19 Jahren – vom 5- bis 7-jährigen Handballküken bei den Minis über die E-Jugend bis hinauf zur A-Jugend, die zugleich als Junior-Team, das heißt als zweite Frauenmannschaft, in der 3. Bundesliga aktiv ist. „Was uns am meisten stolz macht, wenn unsere Eigengewächse erfolgreich ins Bundesligateam integriert werden können“, so der 68-jährige gebürtige Leipziger. Allein in dieser Spielzeit gelang dies drei Spielerinnen, so dass im Kader 2015/16 acht von 18 Spielerinnen aus dem HCL-Nachwuchs stammen. Neben der B- und C-Jugend gelang zudem der ersten D-Jugend in diesem Jahr das Kunststück, alle Saisonpunktspiele in der Sachsenliga zu gewinnen. Im Nachwuchsbereich hat der HCL momentan 19 Nationalspielerinnen und mit insgesamt 25 Bundeskadern und Nationalspielerinnen die größte Anzahl von Auswahlspielerinnen aller deutschen Handballclubs.
Begeisterung für das kleine runde Leder
So viel Erfolg und Engagement verlangt nach (noch mehr) Förderung. „Bis 2012 war der Förderkreis einfach ein Stammtisch“, blickt Hennig zurück. Über die Mitgliedsbeiträge nahm man ungefähr 9000 Euro pro Jahr ein und konnte diese Summe an die Nachwuchsabteilung weiterreichen. „Der ruhende Pol zu sein, liegt mir nicht“, verkündete er schon, als Ende 2009 dem Förderkreis beitrat. 40 Jahre, in denen er diverse Firmen geführt hatte, drängten nach mehr. Zumal es ihm gefiel, mit welcher Begeisterung die Mädchen beim Handball sind, wie sie für den Leistungssport kämpfen und weiterkommen wollen. Als der vorige Vorstand zurücktritt, schlägt seine Stunde. „Nur Mitglieder verwalten, ist nicht meine Sache!“ Hennig ruft einen Tore-Pool ins Leben. Alle Mitglieder, die sich daran beteiligen – zurzeit sind es derer 15 –, bezahlen für jedes geworfene Juniorentor jeweils 30 Cent, was bei etwa 800 Saisontoren schon klotzt statt kleckert. Die Fördersumme, mit der Turniere sowie Trainingslager bestritten werden, steigt dank Tore-Pool auf fast 16.000 Euro. Und dieser Betrag verdoppelt sich durch weitere Spenden, so dass der Förderkreis enorm zum 200.000-Euro-Budget des Nachwuchsbereiches beiträgt.  
„Wir sind ein Verein im Verein“
„Die Mädels wissen jetzt besser, wer der Förderkreis ist“, schmunzelt er. Als nächstes möchte er den Förderkreis auch den Eltern der Nachwuchshandballerinnen näher bringen, der mittlerweile ein eingetragener Verein ist. Wie eine Matroschka steckt er nun als Verein im Verein – wobei der HCL e. V. für den Spielbetrieb der Nachwuchsmannschaften verantwortlich ist – und ersetzt die in Mitteldeutschland seltenen Mäzene – obschon unweit der Arena einer wirkt... Handball verbindet, gibt dem Streben der Mädchen beziehungsweise jungen Frauen eine Richtung, ihrer Freizeit Sinn. Sie können in die Welt kommen, wie zum Beispiel Luisa Schulze: einst Nachwuchshandballerin des HCL, nun Nationalspielerin bei den „Großen“ und eine der besten fünf Spielerinnen der Welt auf ihrer Position. Oder wie früher ein bekanntes Mitglied im Förderkreis: Kerstin Mühlner –„die Dame mit Stirnband“ –, die 18 Jahre für den HCL auf Torejagd ging, vier Meistertitel errang sowie mehr als 200 Länderspiele bestritt. Andere Weltstars aus der HCL-Nachwuchsschmiede sind Grit Jurack, Nora Reiche, Alexandra Uhlig, Michaela Schanze, Susann Müller, Nina Wörz.  
Mit dem Handballvirus infiziert
Wenn Rainer Hennig ins Erzählen kommt, schwappt eine beinahe selbstverständliche Begeisterung für den Frauenhandball herüber. Woher rührt diese? „Ich war leider lange weg aus Leipzig“, erzählt er, „und bekam 2007 bei meiner Rückkehr zufällig eine Eintrittskarte für den HCL geschenkt.“ Da ist er mehrfach mitgegangen, fand Gefallen und war bald Feuer und Flamme. „Meine Frau ist nicht immer begeistert“, gesteht Hennig, denn die eigene gemeinsame Freizeit leidet bisweilen, wenn Handballspiele einen Fahrradausflug verdrängen. Aber auch die Handballmädchen haben es nicht immer leicht, wenn im Sportinternat vielleicht Heimweh aufkommt. Auch müssten sich manche Eltern das Geld vom Mund absparen, berichtet Hennig. Dann ist der Förderkreis zur Stelle, übernimmt individuelle Patenschaften, kommt zum Beispiel für Heimfahrten auf. Denn einige Spielerinnen kommen auch aus anderen Teilen der Republik oder Europas nach Leipzig. Und ab der kommenden Spielzeit gibt es eine ganz neue Art von Patenschaft: Für jedes der sieben Nachwuchsteams wird ein Mitglied des Förderkreises verantwortlich, das heißt Ansprechpartner und immer bei den Spielen sein.  
www.foerderkreis-hcleipzig.de    
Text: Frank Willberg  Fotos: Sebastian Brauner  

Sport hält gesund, Sport macht Spaß, Sport fördert Kameradschaft und Teamgeist

Drei gute Gründe, Kinder und Jugendliche  dafür zu begeistern. Diese Aufgabe hat sich der Förderkreis des HC Leipzig  gestellt.

Seit 1996 gibt es diesen Zusammenschluss von Handballfreunden, seit 2013 als gemeinnützigen, eingetragenen Verein.

Mit Mitgliedsbeiträgen, Spenden und besonderen Aktionen sammelt der Förderkreis Geld, um die Nachwuchsarbeit des bei den Frauen so erfolgreichen Handballvereins zu fördern. Er unterstützt die Mädchen und jungen Frauen von der E-Jugend bis zum Juniorteam. Mit Geld und persönlichem Engagement hilft er, die Nachwuchsspielerinnen durch qualifiziertes Trainerpersonal an den Leistungssport heranzuführen, sie bei der schulischen und beruflichen Ausbildung zu unterstützen. Er gibt Zuschüsse zu Trainingslagern, finanziert Fahrten und Unterbringung, Sportkleidung  oder medizinische  Maßnahmen. Jeder Cent, den der Verein einnimmt, wird ohne Abzug von Verwaltungskosten direkt für diese Projekte eingesetzt. Immer mit der Hoffnung und dem Willen, dazu beizutragen, dass  es einige junge Nachwuchsspielerinnen von heute es  bis in die Bundesliga-Mannschaft schaffen.  Wenn Sie  Mitglied werden oder mehr wissen wollen: Einfach an die Mailadresse info@foerderkreis-hcleipzg.de wenden.    

Dokumente zum Download

Wir fördern den Nachwuchs.

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